WIE DIE DINGE DIE WIR MIT UNS HERUMTRAGEN IDENTITÄT STIFTEN
Recherche
Objektanalsye
Materialforschung
2. Semester
2024
Warum trage ich bestimmte Dinge bei mir – und was erzählen sie über mich? Für dieses Projekt habe ich alle Objekte untersucht, die mich täglich begleiten: Alltagsgegenstände, bewusst gewählte Accessoires und Dinge, die eher zufällig in meiner Tasche gelandet sind. Wie prägen meine Besitztümer meine Identität, auch abseits ihrer Funktion? Und was passiert, wenn ich diese Dinge umgestalte, neu interpretiere und ihr Material verändere?
Jedes dieser Dinge trägt eine eigene Geschichte. Ihre Analyse erzählt viel über meine Identität, meine Bedürfnisse und meine Werte.

ENTMATERIALISIEREN, VERSCHIEBEN, NEU INTERPRETIEREN
Um zu verstehen, wie meine Objekte Identität stiften, habe ich sie kategorisiert, bewertet und umgewandelt. Dabei arbeitete ich mit drei Strategien: Entmaterialisierung, Platzwechsel und Neuinterpretation. Was passiert mit einem Gegenstand, wenn er seine Form verliert, an einem anderen Ort auftaucht oder eine neue Bedeutung erhält?
Mit Modellier- und Giesswachs, Bronze, Kupfer, Plexiglas und Silikon habe ich diese Konzepte in konkrete Formen übersetzt. Die Arbeit war bewusst als Prozess und nicht als fertiges Endprodukt angelegt. Ich liess mich von meinen Interessen leiten, Richtungswechsel waren erwünscht. Alle Gedanken, Schritte und Ergebnisse habe ich auf einem Miro-Board analytisch festgehalten und grafisch dargestellt.
Mehr als nur funktion
Selbst unscheinbare Alltags- und Zufallsgegenstände können eine tiefere Ästhetik und Bedeutung haben. Mir wurde klar, dass viele meiner Dinge mehr sind als funktionale Objekte: Sie sind Träger:innen von Erinnerungen und Ausdrucksformen meiner Identität.
Erst im Umdenken und Umgestalten wurde das sichtbar. In Bronze gegossen oder als Schmuck neu getragen, offenbaren die Dinge ihre verborgene Schönheit und einen symbolischen Wert, den ich vorher nicht gesehen habe. Aus einem Gegenstand, den ich beiläufig mit mir herumtrage, wird etwas, das ich bewusst bei mir haben möchte.
Dabei bin ich immer wieder an einer Frage hängen geblieben: Was ist eigentlich schön? Schönheit ist ein schwammiger Begriff. Ich kann zwar sagen, was ich schön finde, doch eine Regel oder ein Muster lässt sich kaum erkennen. Darum habe ich nach Wörtern gesucht, die genauer beschreiben, was ich meine. Manchmal ist etwas harmonisch und ausgewogen, manchmal schlicht und zeitlos, manchmal organisch, raffiniert oder einfach faszinierend. Dieses Vokabular begleitet mich seither, wenn ich über Dinge spreche.


